Europäischer Innovationspreis für Kultur

avignon250Europäischer Innovationspreis für Kultur wird von NRW Wirtschaftsminister Garrelt Duin auf dem Forum d’Avignon Ruhr (10.-12.Juni) in Essen verliehen. Zehn kulturelle Impulsgeber für die Gesellschaft stehen auf der Shortlist des mit 10.000 € dotierten N.I.C.E. Award 2014 und werden in einer öffentlichen Ausstellung in der City-Messehalle in Essen präsentiert.
Vernissage: 10. Juni um 19 Uhr. Eintritt 
frei.

Zehn kulturelle Projekte aus 5 Nationen, die besonders innovativ Impulse in die Gesellschaft übertragen, sind in der Endrunde um den N.I.C.E. Award 2014, darunter vier Projekte aus dem Ruhrgebiet. Der N.I.C.E. Award wird von NRW Wirtschaftsminister Garrelt Duin am 12. Juni um 17 Uhr im Rahmen des Forum d’Avignon Ruhr im GOP Varieté in Essen überreicht.

Aus 108 Bewerbungen aus 22 Nationen hat die internationale Jury, bestehend aus Pia Areblad (TILLT, Schweden), Charles Landry (Comedia, Großbritannien), Prof. Kurt Mehnert (Folkwang Universität der Künste, Deutschland) und Janjaap Ruijssenaars (Universe Architecture, Niederlande), zehn Projekte mit den innovativsten Spillover-Effekten ausgewählt. Ein weiteres Projekt wurde von der Jury mit einer Sonderauszeichnung bedacht und zur Ausstellung eingeladen.

Der N.I.C.E. Award wird in Kooperation von ecce gemeinsam mit dem 2013 initiierten europäischen Network for Innovations in Culture and Creativity in Europe (N.I.C.E.) vergeben. Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die Städte Bochum, Dortmund, Essen und Gelsenkirchen finanzieren den Preis mit insgesamt 10.000 Euro.

Kunst, Kultur und Kreativität sind wesentliche Impulsgeber für die Gesellschaft.
Das Phänomen der gegenseitigen positiven Beeinflussung und Weiterentwicklung durch die Impulse aus anderen Bereichen nennt die
Europäische Union Spillover-Effekt und fordert ihre Mitgliedsstaaten auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Kraft von Kultur und Kreativität sichtbar zu machen und innovative Effekte in andere Bereiche wie Stadtentwicklung, Klima oder Bildung zu fördern. Der N.I.C.E. Award prämiert deshalb 2014 innovative Spillover-Projekte aus Europa. Aufgerufen waren in diesem Jahr Kulturbetriebe, selbständige Kulturschaffende, Akteure der Kreativwirtschaft, wissenschaftliche Einrichtungen und Forscher mit kulturellem Erkenntnisinteresse, kulturpolitische Körperschaften und Institutionen, sich mit Kulturprojekten, kulturbezogenen Forschungsvorhaben zu bewerben und
kultur- und kreativwirtschaftspolitische Strategien zum Thema „Spillover-Innovationen“ einzureichen.

Kurzinformation zu den nominierten Projekten:
Beautiful Trouble
Beautiful Trouble in Kooperation mit Marian Dörk
New York, USA und Berlin, Deutschland
Andrew Boyd
www.beautifultrouble.org

Beautiful Trouble (BT) ist Buch, Web-Werkzeugbox und internationales Netzwerk, um politischen Basisbewegungen zu mehr Kreativität und Effizienz zu verhelfen. Das Buch, von Naomi Klein als „elegant und aufwieglerisch“ bezeichnet, ist ein Besteller und wird weltweit bei Kampagnen und sogar als Schullektüre verwendet. Die Web-Werkzeugbox ist der Buchinhalt plus Aktualisierungen online. Das BT Trainingsprogramm bietet Workshops zu kreativer Kommunikation und Aktionen zu Organisation und Strategie. BT arbeitet mit Aktivisten in Ägypten, Uganda, Zimbabwe, Bangladesch und Burma zusammen, um ein speziell auf die Südhalbkugel zugeschnittenes Werkzeuginventar zu entwickeln.

Conexiones improbables / c2+i
Bilbao, Spanien
Arantxa Mendiharat
http://conexionesimprobables.es/pagina.php?id_p=320&i=ing

Immer mehr KünstlerInnen sind daran interessiert, ihre Methoden, Gedanken und Standpunkte in Systemen oder Organisationen auch außerhalb des künstlerischen Umfelds zur Geltung zu bringen.
Sie wollen durch kreatives Schaffen dazu beitragen, die Welt um sie herum anders zu denken. Kunst und Kultur sind Teil der Wirtschaft und bestimmter Wertekonzepte. Conexiones improbables integriert KünstlerInnen und Kunstschaffende in Organisationen und lässt sie dort mitverantwortlich an Projekten mitarbeiten. Bisher wurden über 100 Kooperationen zwischen KünstlerInnen sowie Firmen und Organisationen aus dem nordspanischen Baskenland organisiert.

Stein mit Vollausstattung
Dortmunder Kunstverein
Dortmund, Deutschland
Sandra Dichtl
www.steinmitvollausstattung.de

Stein mit Vollausstattung (SmV) ist ein Projekt, welches das Zusammenwirken von technischen Aspekten erneuerbarer Energien und Kunst im öffentlichen Raum zeigt. Die Skulptur ist ein öffentliches und partizipatorisches Kunstprojekt in der Dortmunder Innenstadt. Im Zentrum einer Metropole wird nun Wind- und Sonnenenergie genutzt, um Strom zu erzeugen und der Bevölkerung kostenlos 230-Volt-Anschlüsse, ein offenes WLAN sowie Ladestationen zur Verfügung zu stellen.
Querdenkerfabrik [ID]factory
Zentrum für Kunsttransfer, Technische Universität Dortmund
Dortmund, Deutschland
Ursula Bertram
www.id-factory.de

[ID]factory ist ein Projekt des Zentrums für Kunsttransfer unter der Leitung von Prof. Ursula Bertram an der TU Dortmund (Institut für Kunst und Materielle Kultur).
Die [ID]factory betreibt Grundlagenforschung im Bereich von non-linearem, künstlerischen Denken und Handeln in nicht-künstlerischen Feldern. Sie gehen der Frage nach, inwieweit Potentiale und Methoden der Kunst Wirtschaft und Wissenschaft fördern können. Hierzu gehört Innovationskompetenz als eine fachübergreifende Schlüsselqualifikation, die in der Kunst eine immer zentralere Rolle spielt. In den Forschungsworkshops arbeiten MathematikerInnen, KünstlerInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen, PhysikerInnen, ManagerInnen und SozialwissenschaftlerInnen im Team – ein Novum an deutschen Universitäten.

Turmumbau
Kitev – Kultur im Turm e.V.
Oberhausen, Deutschland
www.kitev.de

Turmumbau zum Baudenkmal: Der denkmalgeschützte Turm des Hauptbahnhofs Oberhausen wurde restauriert, um ihn für neue Zwecke nutzbar zu machen. Unter den historischen Wassertanks ist Raum für Künstler und kreative Köpfe entstanden. Während der 4-jährigen Entwicklungszeit entwarf kitev die Pläne für die Umbauten und anschließende Nutzung des Turmes selbst und konnte zahlreiche Partner für die Realisierung gewinnen. Gleichzeitig begann kitev, den Turm als Standort für lokale, regionale und internationale Kunst- und Kulturaktivitäten zu nutzen. Nun soll das Stockwerk mit den Wassertanks als Baudenkmal BesucherInnen locken und das Erdgeschoss
sichtbare Verbindung zwischen Turm und Stadt werden.

Kasarne/KulturPark
Košice 2013, n.g.o.
Košice, Slowakei
Michal Hladky
http://www.k13.sk/o-nas/centra/kasarne-kulturpark/

Das multi-genre cultural centre stellt Raum für das Schaffen und die Präsentation von zeitgenössischer Kunst zur Verfügung – aus den Bereichen Musik, bildende Kunst, Literatur, Film, Theater und Tanz. Es ist ein sozial-kulturelles Forum für vielfältige wechselseitige Verbindungen zwischen Besuchern und progressiver Kunst und Kreativität. Das Kasárne/Culture Park Centre sucht dabei die Unterstützung durch Firmen, Organisationen, Bürgervereinigungen und Künstlergruppen, die in unterschiedliche kreative Aktivitäten involviert werden.

LxFactory
MainSide
Lissabon, Portugal
Joana Gomes
www.lxfactory.com/EN/welcome/

LxFactory nutzt die Räume einer großen Fabrik für kulturelle Zwecke. Der Umbauprozess bot die Möglichkeit, innerhalb eines ehemaligen Industriekomplexes urbanen Raum zu entwickeln.

RLF (“Richtiges Leben im falschen”)
RLF c/o Projektbüro Friedrich von Borries
Berlin, Deutschland
Friedrich von Borries
http://www.rlf-propaganda.com/

RLF versteht sich als revolutionäre Protestbewegung, um den Kapitalismus zu unterwandern und mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen. RLF ist Denkfabrik, Experiment und politisches Kunstwerk. RLF löste die schmale Trennlinie zwischen Realität und Fiktion auf, um eine digitale Gemeinschaft zu gründen. Mit dem medienübergreifenden Kunstprojekt haben das Projektbüro Friedrich von Borries, ARTE, Suhrkamp und UFA eine spielerische, dennoch ernsthafte Kapitalismuskritik erschaffen. Eine Kombination aus medialen und nicht-medialen Kanälen verwandelt RLF in die multidimensionale Speerspitze der Revolution: ein Roman, ein reales Unternehmen, ein Spiel, ein Film – sie alle sind Einmischungen in die reale Welt.

Unperfekthaus and Unperfektlabs
Unperfekthaus
Essen, Deutschland
Reinhard Wiesemann
www.unperfekthaus.de/e/
www.unperfektlabs.de/e

Das Unperfekthaus ist ein privates, 5000m2 großes Restaurant-/Veranstaltungsort-/Hotelprojekt, entstanden durch die Kooperation zwischen einigen hundert KünstlerInnen, UnternehmerInnen, gemeinnützigen Einrichtungen und WissenschaftlerInnen. Das Haus fungiert als öffentlicher „Zwischen-Raum“/“Platz der Möglichkeiten“ und generiert Spillover-Effekte in andere Bereiche.
Zurzeit testen und betreiben mehr als 1000 KünstlerInnen und FirmengründerInnen aus 18 Ländern Kreativprojekte, beeinflusst von und mit Einfluss auf mehr als 100 000 Privatpersonen und Geschäftsleute jährlich. Das Haus ist selbst Intervention bei einzelnen Projekten wie auch als ständig zur Verfügung stehende Institution

URBANAUTS Street Lofts
URBANAUTS GmbH
Vienna, Austria
Theresia Kohlmayr
http://www.urbanauts.at/

Der moderne Städtereisende will individuelle Impressionen statt der üblichen Pauschalführungen, wenn er eine Metropole erkundet. URBANAUTS erschafft besondere Stadthotels. Durch Umgestaltung von leer stehenden Geschäftsräumen werden 4-Sterne-Quartiere mit individuell eingerichteten Zimmern, sogenannte Street Lofts. Ein ausgesuchtes Netzwerk lokaler Partner in unmittelbarer Umgebung der Lofts bietet den URBANAUTS-Gästen ein komplettes Serviceangebot.

2011 wurde in Wien im 4. Bezirk das erste Street Loft, „The Tailoress“, eröffnet. Seit 2014 sind vier weitere Street Lofts in Betrieb.
Von der Jury mit einem Sonderplatz in der Ausstellung bedacht wurde:

WARE MENSCH
broken hearts
Münster, Germany
Ronja Schweer, Fachhochschule Münster

Das WARE MENSCH Projekt öffnet der Öffentlichkeit die Augen und will in Deutschland ein Bewusstsein für das Problem Menschenhandel schaffen, speziell für Sex-Sklaverei. Dazu wurden Kartonagen hergestellt, die wie Verpackungen für menschliche Körper gestaltet und an auffälliger Stelle in der Stadt aufgestellt sind. Auf der Verpackung finden sich eine Auflistung des Inhalts (Name, Alter, Haarfarbe, Augenfarbe, Gewicht, Größe, etc.) sowie ein Bild und der Preis. Dazu findet man Informationen über den Menschenhandel in Deutschland sowie Hinweise auf Möglichkeiten, sich zu informieren und für Veränderungen einzusetzen.

Vernissage  zum Forum d´Avignon am 10. Juni um 12 Uhr in der City-Messehalle Essen.
Ort der Vernissage: Rottstraße 26, 45127 Essen

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